© Pennavaria & Lanzinger
Pennavaria & Lanzinger ▪ The Light Falls the Same Way Every Day
13.06. – 27.09.2026
Ausstellung der Stipendiat:innen der Ausstellungsreihe 15HOCH2
The Light Falls the Same Way Every Day
© Pennavaria & Lanzinger
Die performative Rauminstallation "The Light Falls the Same Way Every Day“ des Künstlerduos Pennavaria & Lanzinger ist von der ebenso einfachen wie poetischen Setzung inspiriert: „Das Licht fällt jeden Tag auf die gleiche Weise“. Sie eröffnet damit etliche Fragen: Ist das Licht tatsächlich jeden Tag gleich? Für wen fällt das Licht „gleich“ – gibt es eine objektive Sicht? Liegt vielleicht eine feine Ironie darin?
© Pennavaria & LanzingerAus dieser Spannung schöpft das ortsspezifische, analog-digitale Setting, in das Pennavaria & Lanzinger den quadratischen Kunsthallenraum verwandeln. Darin wird das historische Kreuzgewölbe der ehemaligen Stiftsmälzerei aus dem 18. Jahrhundert zum Ur-Ort. Auf den steinernen 15 × 15 Metern entfaltet sich eine multidirektional erfahrbare Raumkomposition aus Licht, Sound und Karton. Die massiven, geschichtsträchtigen Wände scheinen aufgelöst. Im Licht einer künstlich erzeugten „goldenen Stunde“ tritt eine Stadt der Zukunft hervor, ruhig, geordnet, konfliktfrei. Ihre ästhetische Perfektion wirkt ebenso anziehend wie ambivalent; minimale Verschiebungen, ein feines Flackern durchbrechen ihr scheinbares Versprechen.
Den schweifenden Blick lenken LED-Lampenmodelle zurück in die physische Gegenwart des Raumes. Zwischen den mächtigen Stützpfeilern öffnet sich ein Ensemble aus übereinander geschichteten, kompakten Architekturelementen. Im verwendeten Material, leichtem Karton, repräsentiert sich der konzeptuelle Ansatz: er verweist bewusst auf historische Bauformen und lokale Praktiken, erinnert an Spuren menschlichen Handelns und an architektonische Entwicklungen über Jahrhunderte hinweg – von den römischen Ursprüngen Kemptens, dem antiken Cambodunum – bis in die Gegenwart.
© Pennavaria & LanzingerDie Installation versteht Stadtgeschichte nicht als lineare Erzählung, sondern als vielschichtiges Gefüge. In Anlehnung an das Konzept des Palimpsests, eines wiederverwendeten, überschriebenen Pergaments, zeigen sich Überlagerungen, Brüche und Neuschreibungen. Räume entstehen, verschwinden und werden transformiert. Jede Epoche formuliert ihre Vorstellung von Stadt und schreibt diese in Material, Struktur und Nutzung ein. Die Ausstellung lädt jedoch nicht nur zum Schauen, sie wirft Fragen auf, die sich im Kontext der Ausstellung in die Stadt hineintragen lassen. Wer entwirft eigentlich die Choreografie unseres Zusammenlebens? Wer entscheidet über das Skript, nach dem Licht und Schatten sich am Ort verteilen?
Zur Kunstnacht am 26. September 2026, aber auch zwischendurch erwachen tragbare Elemente einer Gartenarchitektur zum Leben, eröffnen Möglichkeiten zu Dialog und Interaktion: Das Werk vervollständigt sich nur im Miterleben und Mitgestalten. Besucher*innen können mit dem gebotenen Repertoire verschiedene Rollen einnehmen, Position beziehen, den Dingen eine Sprache geben, Funktionen neu ordnen, bestehende Strukturen hinterfragen. So wird die Installation zu einem dynamischen Feld zwischen Wahrnehmung und Handlung.
„The Light Falls the Same Way Every Day“ lädt dazu ein, Kontinuität und Veränderung zugleich zu denken: Während das Licht als Konstante erscheint, unterliegt die gebaute Umwelt einem permanenten Prozess der Transformation. Die Arbeit macht diesen Wandel sinnlich erfahrbar und eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte und Zukunft urbaner Räume.
Über die Künstler:innen:
© Pennavaria & LanzingerAlessia Pennavaria und Joseph Lanzinger haben beide an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg u.a. bei Professor Michael Stevenson studiert.
Sie arbeiten seit 2019 als Künstler*innen-Duo zusammen. Aus verschiedenen Hintergründen kommend – Joseph Lanzinger erwarb zunächst einen Abschluss in Design an der Technischen Universität Nürnberg, Alessia Pennavaria studierte zusätzlich noch bei Prof. Michael Munding - entwickeln sie hybride Formate, die sich zwischen Bildender Kunst, Theaterbühne und Film bewegen.
Im Zentrum ihres Interesses steht die Auseinandersetzung mit VFX, digital veränderten visuellen Effekten. Ihre Arbeiten untersuchen, wie diese, nicht allein als technisches, sondern als kulturelles und gesellschaftliches Produktionsmedium Realität strukturieren, Erwartungen formen und Narrative erzeugen zwischen Illusion und Kontrolle.
2022 waren ihre Werke in Ausstellungen in Nürnberg, Leipzig und Hamburg zu sehen. Ihre Arbeit wurde seit 2023 mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2025 im Rahmen der Debütant*innenförderung des Freistaats Bayern.
Ihre interdisziplinäre Arbeit fließt parallel dazu in Film- und Theaterproduktionen, DJ-Sets und Performancekollektive ein.
Begleitprogramm
folgt in Kürze
Führungen für Schulklassen
Nach Vereinbarung! museen@kempten.de
