Die Kunstschaffenden Gudrun und Alto Gmelch; Foto: Fotostudio Sienz

Alto und Gudrun Gmelch ▪ Finden und Transformieren

14.11.2026 – 03.01.2027

 

Würdigungsausstellung 


Öffnungszeiten

Do/Fr: 14–18 Uhr
Sa/So: 12–18 Uhr
Eintritt frei!

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Finden und Transformieren

Mit der Ausstellung „Finden und Transformieren“ würdigt die Stadt das Lebenswerk der beiden Allgäuer Kunstschaffenden Gudrun und Alto Gmelch. Die Kunsthalle Kempten zeigt repräsentative Arbeiten aus vier Jahrzehnten, in denen sich das Paar der Kunst verschrieben und der Verwandlung zumeist unbeachteter Materialien zugewandt hat.

Was als Zufallsfund am Flusslauf des Lechs begann, wurde zu einer künstlerischen Strategie: Jegliches Material, ob Holz, Eisenblech, Draht, Gewebe oder Plastik (und jeder Erhaltungszustand) konnte zum Ausgangspunkt einer ästhetischen Betrachtung, einer Formfindung und somit zu einem Akt der Transformation werden.

Kunsthistorisch lassen sich die Arbeiten im Umfeld der Objekt- und Materialkunst sowie der Assemblage verorten, die seit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts vorgefundene Materialien als künstlerische Ausdrucksmittel nutzen.

Während Alto Gmelch Fundstücke in neue räumliche und formale Zusammenhänge überführt, bewegt sich Gudrun Gmelchs Fotografie zwischen dokumentarischer Beobachtung und formaler Abstraktion. Beide Positionen verbindet das Interesse an Material und der Transformation des Alltäglichen.

Gudrun Gmelchs dokumentarische Farbfotografien brechen mit Sehgewohnheiten. Sie wecken Verwunderung und die Lust, das Abgelichtete zu entschlüsseln und die Ambivalenz vorgefundener Zustände tiefer zu begreifen: Textilien werden durchbohrt, Stahlrohre verbogen, ein Fahrrad kragt aus Wasser und Flusskiesel heraus. Die Gegenstände scheinen den Kräften des Wassers ausgesetzt, von ihnen gezeichnet und verändert. In ihren Fotografien hält die Künstlerin diese Situationen fest, ohne in sie einzugreifen. Durch Ausschnitt, Perspektive und die streng formale Anordnung der auf Alu-Dibond entwickelten Bilder treten Strukturen, Faltungen und Oberflächen hervor. Die Fotografien bilden so eine ruhige, konzentrierte Gegenposition zur unbändigen und teils zerstörerischen Kraft des Flusses, der alles verformt, was ihm in die Quere kommt.

Auch Alto Gmelchs Arbeiten gehen aus der Begegnung mit vorgefundenen Materialien hervor. Fundstücke werden gesammelt, ausgewählt und in neue Zusammenhänge überführt; die Spuren ihrer Herkunft und ihres Gebrauchs bleiben darin vielfach sichtbar. Häufig roh, rostig und mitunter bedrohlich, behaupten die Werke schließlich ihre körperhafte Präsenz in ganz unterschiedlichen Dimensionen. Andere zeugen von der spielerischen Neugier des Künstlers. In „Aus der Spielzeugkiste der Mächtigen: Schach“ gestaltet er Schachfiguren neu und gibt ihnen gänzlich unerwartete Gesichter. Aus bunten, kleinteiligen Funden, meist aus Kunststoff, erwächst das Spielerische und Augenzwinkernde, das hier neben der ernsteren Auseinandersetzung mit Macht und ihren Symbolen steht.


Die künstlerische Bandbreite beider Kunstschaffenden wird durch mehrteilige Assemblagen ergänzt. Diese scheinen mit kinetischer Anmutung zum Spiel anzuregen, wissen aber zugleich mit kostbarer Fragilität taktile Reize auszuschalten.

In ihren Werken werden subtile wie martialische Kräfte angesprochen, die in der gesamten Natur wirken und konkret am Wasserlauf des Lechs veranschaulicht werden. Weitergedacht spiegeln sich darin auch gesellschaftliche Erosionen und eruptive Dynamiken, Kräfte, die - einmal entfesselt, unaufhaltsam wüten.

Die Arbeiten verhandeln Fragen nach der Unzähmbarkeit der Natur, nach der Verantwortung menschlichen Handelns sowie nach Macht und Ohnmacht. Über diese Themen hinaus zeichnet beide Kunstschaffende eine lebendige Offenheit aus, mit der sie den Dingen, den Orten und den Menschen begegnen.


Über die Künstler:innen:

Gudrun und Alto Gmelch leben und arbeiten seit Jahrzehnten gemeinsam in Nesselwang. Ihre künstlerischen Wege verlaufen dabei eigenständig: Sie entwickeln jeweils ihre eigene Handschrift, ihre eigenen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Gerade im Nebeneinander der Werke wird diese Eigenständigkeit erfahrbar. Die Ausstellung zeigt kein gemeinsames Werk im engeren Sinne, sondern zwei individuelle Positionen, die sich begegnen, ergänzen und in ihrer Unterschiedlichkeit gegenseitig schärfen.

Gudrun und Alto Gmelch; Foto: Fotostudio Sienz

Gudrun Gmelch wurde 1944 in Schwabach geboren. Nach ihrer Heirat mit Alto Gmelch 1963 und der Geburt ihrer drei Söhne widmete sie sich zunächst der Familie.

Ihr künstlerischer Weg begann 1986 mit der Arbeit an Quilts, Collagen sowie abstrakten Formen in Gips und Beton. 1993 folgte eine Ausbildung in Sakralem Tanz. Anfang der 2000er Jahre rückte die Fotografie verstärkt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. 2007 wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten für ihre Arbeit „Geformtes Gras“ ausgezeichnet. In der 14-teiligen Fotoserie fängt sie die differenzierten Oberflächen von Siloballen ein, die im Zusammenspiel von Licht und Schatten eine ganz eigene Ästhetik entfalten.

Alto Gmelch wurde 1936 in Hollenbach (Kreis Neuburg/Donau) geboren. Von 1957 bis 1986 war er Soldat bei der Bundeswehr. Anschließend wandte er sich intensiv der bildenden Kunst zu und beteiligt sich seit 1987 regelmäßig an Gemeinschaftsausstellungen und Wettbewerben.

Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1995 mit dem ersten Preis des Gestaltungswettbewerbs für die Anton-Fugger-Brücke in Augsburg. In der Realisierung dieses Kunst-am-Bau-Projekts, einer markanten Lichtsäule über dem Lech, zeigt sich seine Hinwendung zum Abstrakt-Konkreten durch die Verwendung von industriell geformtem Edelstahl. Mit dem 2023 verliehenen Sonderpreis der Franz-Schmid-Stiftung in Marktoberdorf hingegen wird sein leidenschaftlicher Forschergeist sichtbar: In der prämierten 36-teiligen Bodenarbeit aus geborgenen, ausrangierten Arbeitsgeräten nimmt sich der Künstler ganz zurück und lässt die Relikte menschlicher Arbeit für sich sprechen.


Begleitprogramm

folgt in Kürze!


Führungen für Schulklassen

Nach Vereinbarung! museen@kempten.de